23 Mai 2020

Arbeiten als Pflegehilfskraft während der Corona-Krise

Andrea Halboth ist Pflegefachhilfskraft im Haus Phönix am Muppberg. Wie ein Arbeitsleben in der Pflege in Zeiten von Covid-19 aussieht? Wir haben nachgefragt.


Vor welchen Herausforderungen stehen Sie während der Corona-Krise in Ihrem Job?
Den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner gerade in dieser herausfordernden Zeit gerecht zu werden. Wir bieten unseren Senioren trotz der strengen Hygienemaßnahmen ein regelmäßiges Beschäftigungsprogramm an. Wir machen daher einzeln Aktivierungsübungen mit unseren Bewohnern, nutzen das Demenztablet zum Anregen der Fähigkeiten und ermöglichen tägliche Video-Telefonate per Skype mit den Angehörigen. Das alles unter einen Hut zu bekommen und jeden Einzelnen so gut wie möglich zu betreuen verlangt von uns allen viel Arbeit ab, macht aber Spaß.

Worauf sind Sie stolz, was läuft in Ihrer Einrichtung trotz der aktuellen Situation gut?
Die Zusammenarbeit im Team und die Abstimmung ist durch die Corona-Krise noch besser geworden. Wir hatten aufgrund der aktuellen Situation einige Wochen einen straffen Zeitplan. Wir haben uns trotzdem sehr gut aufgeteilt und konnten uns somit auch die nötige Zeit für unsere Bewohnerinnen und Bewohner nehmen.

Was motiviert Sie besonders in Ihrem Job, vor allem in Hinblick auf Krisen wie Corona
Die Dankbarkeit unserer Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch der Angehörigen für unsere Arbeit. Der regelmäßige Austausch mit den Familien der Senioren ist sehr wichtig! Es kam nun schon des Öfteren vor, dass uns sogar Angehörige angerufen haben und sich für unser großes Engagement bedanken und uns weiterhin viel Durchhaltevermögen wünschen. Das finde ich eine sehr schöne Geste, weil es zeigt, wie stark das Vertrauen in uns und die Wertschätzung uns gegenüber ist.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn wieder „Normalität“ in Ihren Alltag eingekehrt ist?
Das Zusammensein mit Familie und Freunden ohne Einschränkungen, genauso wie das Ausüben meiner Hobbies. Ich vermisse es besonders, in der Natur unterwegs zu sein und regelmäßig wandern zu gehen. Seit einiger Zeit nehme ich an „Megamärschen“ teil, bei denen man 50 Kilometer in zwei Stunden zurücklegen muss. Bisher habe ich immer deutschlandweit teilgenommen, in diesem Jahr konnte ich sogar noch vor Corona auf Mallorca teilnehmen. Mein Ticket für den zweiten Megamarsch im nächsten Jahr ist bereits gebucht – ich hoffe bis dahin geht wieder alles seinen gewohnten Alltag nach.

Was wünschen Sie sich für Ihre Bewohner und ihre Kollegen nach Corona?
Ich wünsche mir, dass wir alle (Bewohner und Mitarbeiter) gesund bleiben und der Zusammenhalt im Team auch nach Corona weiterhin bestehen bleibt. Gerade in den letzten Wochen mussten wir uns alle aufeinander verlassen können. Dabei haben wir alle an einem Strang gezogen und uns noch näher kennen und schätzen gelernt.

Viele Menschen reden davon, dass sich die Zeiten auch nach Corona ändern. Was wünschen Sie sich für die Pflegebranche?
Ich wünsche mir für die Pflegebranche mehr Wertschätzung & Anerkennung. Der Beruf sollte auch nach Corona an Aufmerksamkeit verdienen und genauso positiv angesehen werden wie jeder andere Job. Diese Anerkennung muss nicht durch finanzielle Leistungen oder materielle Dinge erfolgen. Das wichtigste ist für uns unsere Arbeit anzuerkennen und zu sehen, dass der Pflegejob ein Beruf für die Zukunft ist. Denn Pflege betrifft uns alle.

Pflegerin Andrea Halboth