WegeBau: auf Umwegen zur Pflegefachkraft

14 September 2019, Aus den Einrichtungen, Menschen bei KORIAN

In der Seniorenresidenz der KORIAN-Gruppe in Hagen, werden angehende Altenpfleger im so genannten Wegebau-Programm gefördert. Dank einer engagierten Einrichtungsleiterin hat auch ein junges Ehepaar eine neue Perspektive gefunden.


Allein die Geschichte, wie sich die Keyens kennengelernt haben, ist es wert erzählt zu werden. Als Kinder waren sie Nachbarn, sie sieben Jahre jünger als er, bevor sie sich aus den Augen verloren und als Erwachsene wiedertrafen. Im Internet. „Ja, wir hatten uns beide bei einer Online-Community angemeldet und haben uns dabei tatsächlich wiederentdeckt“, sagt Denny Keyen.

Der junge Mann, in Chemnitz geboren und in Hagen aufgewachsen, war wegen einer Zeit bei der Bundeswehr und anschließender Arbeit auf dem Bau weggezogen, lebte in Freiburg. Als aus dem Online-Dialog mit der wiederentdeckten Nachbarin Interesse und dann Liebe wurde, zog er zurück in die Heimat.

Eine neue Perspektive dank einem erfolgreichen Programm

Heute sind die zwei nicht nur ein Ehepaar, dass zwei Kinder hat, das am selben Ort arbeitet und in der gleichen Einrichtung eine Ausbildung absolviert. Beide werden auch etwa zeitgleich examinierte Altenpfleger sein, beide danke sogenannten Wegebau-Programm.

Wegebau ist eine Abkürzung und heißt „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“. Auch Korian setzt bei der Förderung seiner Mitarbeiter auf die Möglichkeit der Wegebau-Förderung.

So werden derzeit in den 235 Einrichtungen des Unternehmens über 110 Mitarbeiter durch das Wegebau-Programm weitergebildet – für die Arbeitsagentur ein Erfolgsmodell. Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit gibt es derzeit über 21.000 Teilnehmer, fast 11.000 werden zur Fachkraft in der Altenpflege weitergebildet.

Zunächst sucht Einrichtungsleiterin Kathrin Baum mit jedem Pflegehelfer, der sich weiterqualifizieren möchte, das Gespräch. Motivation, Verhältnis mit den Kollegen, Umgang mit Bewohnern hat sie zwar im Arbeitsalltag schon beobachtet, möchte aber die Selbsteinschätzung des Mitarbeiters kennen.

„Wenn dann jemand vehement sagt: ‚Ja, ich will das jetzt‘, dann folgt die Stufe zwei“, sagt Baum. Stufe zwei ist ein Test bei der Agentur für Arbeit. Die Keyens absolvierten alles mit Bravour und kamen vom Start der Ausbildung am 1. September 2016 in den Genuss der Förderung.

Die Eltern eines acht- und eines fünfjährigen Kindes erhalten Zuschüsse für diverse Lebensbereiche – wie etwa den Kindergarten und Fahrtkosten. Dafür absolvieren sie auch ein ambitioniertes Programm. Beide arbeiten Vollzeit und müssen gleichzeitig den Lernstoff verinnerlichen.

Dabei hilft, dass ihnen der Arbeitgeber ermöglicht, immer „spiegelverkehrte“ Dienste wahrzunehmen. „Wenn ich Frühdienst habe, macht mein Mann die späte Schicht. Und umgekehrt. Zudem helfen noch die Schwiegereltern“, sagt Katharina Keyen.

Inzwischen ist Hagen-Emst zu einer Art Hochburg für das Programm geworden. In der Einrichtung, in der 107 Menschen in Pflege und Betreuung arbeiten, werden 13 Altenpflegefachkräfte ausgebildet. Insgesamt sieben von ihnen sind Wegebau-Azubis und in den kommenden Monaten sollen weitere dazukommen.

Was hat es den beiden gebracht, neben der Aussicht demnächst – und wenn alles gut geht – examinierte Altenpfleger zu sein? Neben den besseren Bezügen vor allem das: „Wir sind stolz und motiviert zugleich“, sagen sie beinahe unisono.

Auch wenn beide erstmal froh sind, dass nach der Prüfungsphase eine ruhigere Zeit folgt, wollen sie weitermachen, sind sie sozusagen auf den Geschmack der Qualifizierung gekommen.

„Wir finden Wegebau eine tolle Möglichkeit, Mitarbeiter zu unterstützen, die als Pflegehelfer schon bei uns sind, tolle Arbeit leisten und zeigen, dass sie mit Menschen gut umgehen können“, so Carola Seeberger, Geschäftsführerin für Nordrhein-Westfalen bei Korian und für das Haus in Hagen zuständig. „Wir motivieren unsere Einrichtungen ständig, nach solchen Talenten Ausschau zu halten, sie zu motivieren und ihnen durch persönliche Unterstützung, Dienstplan-gestaltung und natürlich in gewissen Rahmen auch finanziell entgegenzukommen“, so Seeberger.

Diese Einschätzung trifft offenbar sehr gut auf die Keyens zu: „Ich werde ganz sicher weiter Fortbildungen angehen“, sagt Katharina Keyen, die sich für Wund-Management interessiert.

Und der Ehemann, der den Weg vom Maurer in die Pflege gegangen ist und das nie bereut hat: „Ich werde erstmal verinnerlichen und umsetzen, was ich gelernt habe. Wenn sich alles gefestigt hat, geht es sicher auch bei mir weiter“, sagt Denny Keyen.