Kinderfreundlichkeit am Arbeitsplatz

23 September 2019, Menschen bei KORIAN

Undine Podewils-Holz ist Mutter einer einjährigen Tochter und leitet ein Seniorenheim in Uelzen. Dank ihrer Interpretation von Familienfreundlichkeit ist in Ihrer KORIAN-Einrichtung die Vereinbarkeit von Privatleben und Pflegeberuf mehr als möglich.


„Ich hätte diese Ausbildung an keinem anderen Ort durchgezogen“, sagt Nadine Kleinwächter. Ihre Augen blitzen unter den dunklen Brillenrändern hervor. Und sie lächelt, als ob sie die vergangenen Jahre gerade noch einmal im Zeitraffer gedanklich durchrasen würde. Es müssen gute Gedanken sein.

Die Kurz-Zusammenfassung: eine Allerziehende im nicht gerade strukturstarken Uelzen, am Rande der Lüneburger Heide, erzieht Zwillinge und absolviert parallel eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin.

Heute sind die Jungs dreizehn Jahre alt und Nadine Kleinwächter voll im Berufsleben. „Ohne die Unterstützung der Wohnbereichsleitung, der Pflegedienstleitung und den Kollegen, die mir an allen Ecken und Enden entgegengekommen sind, wäre das nicht möglich gewesen“, sagt sie.

Der Start eines familienfreundlichen Konzepts

Das Lob gilt auch Heimleiterin Undine Podewils-Holz. Die Frau, die die Einrichtung im niedersächsischen Städtchen seit 2005 leitet, hat Bedingungen etabliert, die in Deutschland Vorzeigestatus haben.

Jeder kann hier jederzeit – und ohne zu fragen – ein zu versorgendes Kind mitbringen und davon ausgehen, dass es vom Team mitbetreut wird. Wer wegen eines spontan aufgetretenen Betreuungsproblems nicht oder nicht pünktlich zum Dienst erscheinen kann, sagt einfach kurz Bescheid. Wer aus ähnlich gelagerten Gründen Arbeitszeit reduzieren möchte, kann dies relativ unmittelbar tun. Immer gilt: das Team fängt auf.

Auch die Bewohner des KORIAN-Heims in Uelzen freuen sich über die Anwesenheit der Kinder.
Auch die Bewohner freuen sich über die Anwesenheit der Kinder.

„Wer zufriedene, leistungsstarke Mitarbeiter haben möchte, sollte dafür sorgen, dass sie den Kopf frei haben“, sagt sie, „und das geht nur, wenn ihre Familienangelegenheiten geregelt sind.

Ist das der Fall, arbeitet man anders: motivierter, innovativer.“ Ist das eigene Kind eine Erklärung für die Intensität, mit der Podewils-Holz Familienfreundlichkeit propagiert? „Es hilft bestimmt“, sagt sie. Andererseits hat sie beste Beweise, dass ihre Idee unabhängig vom Muttersein zustande kam und keine neue ist.

Vor rund zehn Jahren begann die gebürtige Usedomerin damit, entsprechende Standards in der Einrichtung zu etablieren. „Es war eine Mischung aus innerer Überzeugung und Netzwerkarbeit, die ich betrieb und die den Vorteil hatte, dass ich mir Ideen aus anderen Branchen holen konnte“, sagt sie.

Der eigentliche Auslöser ins Tun zu kommen war eine Beobachtung. Sie nahm eine Kollegin wahr, die zögerte eine Fortbildung mitzumachen, weil diese nicht wusste, wer sich um ihr Kind kümmern soll. „Also habe ich ihr angeboten, dass Kind mitzunehmen. Von da an haben wir diese Veranstaltungen oder auch Betriebsausflüge immer mit Kindern gemacht“, sagt Podewils-Holz.

Ein Knackpunkt. „Peu à peu haben das die anderen wahrgenommen und dann selber gemacht. Sie haben vor allem gemerkt, dass sie der Chefin dafür nicht dankbar sein müssen und dass ich ihnen das irgendwann mal vorhalte. Das ist hier kein Bonus, das ist Normalität. Es ist wichtig, dass man nicht darüber nachdenken muss, wenn sich ein familiärer Versorgungsengpass auftut.“

Die Senioreneinrichtung wird noch kinderfreundlicher

Die schon zuvor eingerichteten Kinderecken auf den drei Etagen wurden jetzt häufiger vom Personal-Nachwuchs frequentiert, Kooperationen mit lokalen Einrichtungen wie Schulen begannen.

Eine Theaterwerkstatt wurde etabliert, in der Mitarbeiter-Kinder Stücke einstudieren, die dann in der Korian-Einrichtung zum Besten gegeben werden – ganz zur Freude der Bewohner. Auch mit Kindergärten wird zusammengearbeitet, mitunter kommen Gruppen zum Spielen vorbei.

Im Curanum St. Viti gibt es viele Spielmöglichkeiten für die Kinder der Mitarbeiter.
Überall in der Einrichtung befinden sich Spielbereiche für die Kinder der Mitarbeiter.

Die geschilderten Bedingungen gelten übrigens auch, wenn das Betreuungsproblem nicht wegen des Nachwuchses entsteht. Auch wer seine Eltern pflegt oder sich um seinen Hund kümmern muss, kann das melden und sicher sein, dass er Unterstützung findet.

Gegenseitige Unterstützung ist selbstverständlich

Die im Nachbarzimmer sitzende Catrin Schildt zum Beispiel wollte vom einen auf den anderen Tag kürzertreten, weil ihre 90 Jahre alte Mutter pflegebedürftig wurde. „Ich habe gesagt, dass ich das nicht mehr in Vollzeit schaffe und konnte ohne Probleme reduzieren.“ Als Pflegedienstleiterin.

Geben und nehmen, nehmen und geben. Weil sich die Kultur im Haus so darstellt, ist es für Schildt überhaupt keine Frage, selbst zur Hilfe zu werden. Wenn Undine Podewils-Holz gerade nicht kann, übernimmt sie Ophelia.

Warum das alles so reibungslos klappt? Schildt scheint fast überrascht über die Frage: „Das ist irgendwie selbstverständlich. Wir sind gut strukturiert und sprechen uns ab. Klappt einfach.“ Podewils-Holz ergänzt: „Es geht nur mit Vertrauen, das erwarte ich von allen. Es findet sich immer eine Lösung, aber dafür muss auch alles auf den Tisch, was Probleme macht.“

Vertrauen und ein gutes Zusammenspiel aus Geben und Nehmen sind der Schluss von Podewils-Holz und ihren Kolleginnen und Kollegen, damit die Betreuung der Kinder auch während der Arbeit klappt.
Vertrauen und ein gutes Zusammenspiel aus Geben und Nehmen sind der Schluss von Podewils-Holz und ihren Kolleginnen und Kollegen, damit die Betreuung der Kinder auch während der Arbeit im Pflegeheim klappt.

Enttäuschungen? Im vergangenen Jahrzehnt gab es ganz wenige. Natürlich geht die Freiheit des einzelnen nur so weit, bis sie die des anderen einschränkt. „Wenn alle Kindergärten zu haben oder sich die Urlaube in einem Bereich ballen, müssen wir improvisieren.

Da wird auch mal gelost und im Zusammenspiel mit den Bewohnern müssen wir immer die Privatsphäre im Auge haben – zum Beispiel bei der Pflege. Da ist natürlich kein Kind dabei“.

Die Zwillinge von Nadine Kleinwächter sind auch als Teenager heute noch gern da. Manchmal spielen sie Fußball im Hof oder sie sind im Wohnbereich, sitzen am Mensch-ärger-Dich-nicht-Brett. „Die sind so vertraut, dass sie sogar von den Demenz-Patienten erkannt werden“, berichtet Kleinwächter.

Wie wird man so? „Keine Ahnung“ sagt Podewils-Holz, die abschließend noch durchs Haus führt, für jeden, dem sie begegnet ein verbindliches Wort hat. „Für mich ist das einfach nichts Besonderes. Weil ich denke, so muss der Umgang mit den Menschen sein, mit denen man arbeitet. Da gehört es dazu, jemanden zu respektieren und natürlich auch das, was ihnen wichtig ist.“